Hey Sex‑Geek‑Community…
…es ist früh am Morgen hier in Overath, und ich schreibe diesen Text genau so, wie ich ihn damals selbst gebraucht hätte: nicht wie ein Lexikon und nicht wie ein Pornokommentarbereich, sondern wie ein Freund, der dir sagt, was funktioniert – und was dich garantiert in eine peinliche Situation bringt.
BDSM klingt für viele nach „hart“, nach Lederkeller, nach Pain. Die Wahrheit ist: Für Einsteiger ist BDSM meistens erstmal zart. Mehr Kopf als Körper. Mehr Spannung als Gewalt. Und ganz oft ist es ein Türöffner zu einer Nähe, die du im „normalen Sex“ schon lange vermisst hast.
Ich erzähle dir hier, wie ich mit meiner Frau (Lisa) von „Augenbinde, bisschen Dirty Talk“ zu „Fesseln + Spanking“ gekommen bin, ohne dass es weird oder gefährlich wurde. Das ist keine Heldengeschichte, eher eine Lernkurve: viel Lachen, ein paar Fehler, und am Ende dieses warme Gefühl: „Okay… wir vertrauen uns wirklich.“
Bevor du irgendwas kaufst: 4 Regeln, die alles entscheiden
- Zustimmung ist kein Formular, sondern Stimmung
Wenn sie sagt „Ja“, aber ihr Körper ist steif, ihr Blick ist weg, sie lacht aus Unsicherheit – dann stoppst du und redest. BDSM ist nur geil, wenn beide innerlich „Ja“ sagen. - Das Safe‑Word macht dich nicht weich – es macht dich stark
Ein Safe‑Word ist wie ein Airbag: du hoffst, du brauchst ihn nicht, aber du fährst ohne nicht los. - Ein Fokus pro Session
Nicht: Augenbinde + Handschellen + Knebel + Peitsche + Rollenspiel + Anal + drei Toys.
Sondern: „Heute machen wir nur Augenbinde und Kommandos“ – und genau dadurch wird es intensiv. - Aftercare ist Teil vom Sex
Viele unterschätzen das. Gerade nach Dominanz/Unterwerfung kann das Nervensystem Achterbahn fahren. Aftercare ist das, was dafür sorgt, dass sie nicht denkt „warum fühle ich mich jetzt komisch?“, sondern „das war sicher“.

Mein Einstieg mit „Lisa“: So fängt BDSM real an (nicht wie im Porno)
Beim ersten Mal haben wir nicht mit Fesseln angefangen. Wir haben nur geredet. Ich habe sie gefragt, was sie neugierig macht – und was sie abturnt. Und ich hab’s simpel gehalten:
- Was ist okay? (Augenbinde, leichte Klapse, Kommandos)
- Was ist tabu? (Würgen, Schmerzen „für die Show“, beleidigende Wörter)
- Wie stoppen wir? (Ampelsystem)
Ampelsystem (das beste Einsteiger‑Tool):
- Grün: mehr davon
- Gelb: langsamer/leichter/kurze Pause
- Rot: sofort stoppen
Dann kam der Moment, der alles verändert: Augenbinde drauf. Nicht als „Kink“, sondern als Gefühl. Sie sieht nichts, hört nur meine Stimme. Und plötzlich ist jeder Satz schwerer, jede Berührung größer. Das war der Punkt, an dem ich gemerkt habe: BDSM ist nicht „ich tu ihr was an“. BDSM ist „ich führe – und ich bin verantwortlich“.
BDSM‑Level: Soft bis Hard (damit du dich nicht übernimmst)

Level 1 – Soft (perfekt für 90% der Einsteiger):
- Augenbinde
- Kommandos („Hände über den Kopf“, „Nicht bewegen“)
- Festhalten mit der Hand (ohne Tools)
- Teasing: langsam ausziehen, langsam küssen, Pausen
Level 2 – Spannung:
- leichte Handgelenk‑Manschetten (weich, Klett)
- „Bitte/ Danke“-Regel („Du fragst um Erlaubnis“)
- sanftes Spanking (Po, nicht Rücken/Steiß/Nieren)
- Edging (dazu kommt ein eigener Guide)
Level 3 – BDSM‑Basics:
- Paddle oder weicher Flogger
- einfache Fesselung (nur, wenn du schnell lösen kannst)
- klarer Rollenrahmen (Dom/Sub) + Aftercare‑Routine
Level 4–5 (fortgeschritten/hard):
- Seilbondage mit Knowhow, Knoten/Anatomie
- Klammern, Gags, alles was Kommunikation einschränkt
- Atemspiele (für Einsteiger: nein)
Wenn du neu bist: Bleib erstmal in Level 1–2. Das ist nicht „langweilig“. Das ist die Zone, in der es echt wird.
Fesseln: der sichere Weg (ohne Horror‑Stories)
Ich sag dir ehrlich: Meine erste „Fessel‑Idee“ war klassisch dumm. Ich dachte an Metall‑Handschellen. Sie sehen geil aus, sind aber oft der schnellste Weg zu tauben Händen, Druckstellen oder einem Moment, in dem man hektisch rumfummelt und die Stimmung stirbt.
Was besser ist (und was ich heute immer empfehle):
- Weiche Manschetten mit Klett
- Befestigung am Bett/über Kopf nur, wenn sie sich wohlfühlt
- Immer so, dass du sie in 2 Sekunden lösen kannst
Die wichtigste Regel bei Fesseln:
Wenn Finger kribbeln, taub werden oder kalt wirken: sofort lösen. Nicht diskutieren. Nicht „stell dich nicht so an“. Du willst Nähe, nicht Schaden.
Ein Satz, der Wunder wirkt:
„Sag mir sofort Gelb, wenn’s irgendwo zieht oder kribbelt. Ich löse dann direkt und wir machen anders weiter.“
Das ist Führung. Genau das macht dich als Dom attraktiv.
Spanking: Wie es geil wird (und nicht lächerlich)
Spanking ist Rhythmus, nicht Kraft. Am Anfang hab ich’s zu technisch gemacht – so „zack zack“, als müsste ich einen Beat treffen. Das Ergebnis: sie hat gelacht (nicht sexy‑gelacht, sondern „du bist süß‑aber‑was‑tust‑du‑da“).
Was funktioniert:
- Erst streicheln, dann leichte Klapse, dann steigern
- Ziel: Po‑Fleisch, nicht Knochen
- Pausen wirken stärker als Dauerfeuer
- Nach einem intensiveren Klaps: Hand drauflegen, kurz halten (das beruhigt)
Und: Frag nach dem ersten Mini‑Spanking ganz kurz: „Grün?“
Ein einziges Wort. Kein Roman. Das hält die Spannung hoch und zeigt, dass du nicht im Film bist, sondern bei ihr.
Dominanz ohne Cringe: Stimme, Tempo, Klarheit
Dominanz ist nicht schreien. Dominanz ist Ruhe.
Drei Dinge, die sofort wirken:
- langsamer sprechen
- klare Sätze („Auf die Knie.“ / „Hände hinter den Rücken.“)
- Lob als Belohnung („Braves Mädchen.“ oder neutraler: „Gut so.“)
Und ganz wichtig: Nimm Worte, die zu dir passen. Wenn „braves Mädchen“ nicht dein Ding ist, sag’s nicht. BDSM ist kein Cosplay‑Zwang, es ist Atmosphäre.
Aftercare: der Teil, der aus Sex Vertrauen macht

Nach unserer ersten Session war Lisa plötzlich still. Nicht traurig – eher „leer“. Ich dachte erst, ich hätte was falsch gemacht. Dann hab ich verstanden: Das ist das Nervensystem nach Adrenalin.
Was geholfen hat:
- Decke, Wasser, Körperkontakt
- leise Stimme („Alles gut. Du warst sicher. Ich bin da.“)
- 2 Minuten reden: „Was war geil? Was war zu viel?“
Wenn du Aftercare ernst nimmst, wird BDSM nicht nur „eine Nummer“, sondern etwas, das euch als Paar verbindet.
Einsteiger‑Starter‑Kit (was du wirklich brauchst)
Wenn du heute „BDSM light“ starten willst, reicht das:
- Augenbinde (Seide oder weich)
- weiche Hand‑/Fußmanschetten (Klett)
- Paddle (nicht zu hart) oder weicher Flogger
- gutes Gleitgel
- Sicherheits‑Schere (wenn irgendwann Seil kommt)
- Wasser + Decke (Aftercare)
Was ich Einsteigern NICHT empfehle:
- Metall‑Handschellen als erstes
- Knebel/Gags als erstes (Kommunikation wird schwer)
- alles mit Atem/Erstickung (zu riskant)
FAQ (die Fragen, die jeder hat)
Ist BDSM was für „kaputte“ Leute?
Nein. Viele nutzen BDSM, um Stress abzugeben (Sub) oder Verantwortung bewusst zu übernehmen (Dom), und genau das kann sehr gesund sein.
Was, wenn wir lachen müssen?
Dann lacht. Das ist normal. Oft wird’s danach erst richtig heiß, weil die Nervosität raus ist.
Wie spreche ich das Thema an, ohne komisch zu wirken?
Nicht „Ich bin Dom“. Sag: „Ich würd gern mal Augenbinde + Kommandos probieren. Ganz soft. Hast du Lust?“
Brauchen wir Toys?
Nein. Für Level 1 reichen Stimme, Hände, Timing. Toys sind Bonus, kein Muss.